Vorweg: Ich kannte Madeleine Becker bisher weder durch ihre Bücher noch durch Social Media. Aber da ich immer wieder auch bewusst etwas abseits meiner Krimis/Thriller lese und hier Österreich auch eine große Rolle spielt, war ich neugierig.
Mir gefiel, dass sie einerseits ihre Situation (kaufte mit ihrem Lebensgefährten Lukas einen alten kleinen Bauernhof in der Steiermark und bewirtschaftet diesen mit ihm und den gut 30 Tieren) erklärt, wie es dazu kam, dass sie nun so lebt (leben kann) wie sie das tut und gleichzeitig nicht zu sehr romantisiert.
Zu sagen, ab morgen steige ich aus allem aus und bin Selberversorger auf einem Hof, mag ja aus der Umwelt- und der Entschleunigungsperspektive interessant sein, dennoch ist es so, dass die Art Landwirtschaft, die sich viele vorstellen und die Art, die auch wirklich ein ausreichendes Einkommen bringt, komplett verschieden sind. Madeleine und Lukas betreiben Landwirtschaft, aber leben müssen sie von ihren jeweiligen Jobs als Rettungssanitäter bzw. Autorin.
“Gekommen, um zu bleiben” zeigt die schönen, aber auch die vielen harten Seiten des vermeintlich so idealen “Aussteigerlebens”. Wirklich auszusteigen ist natürlich nicht möglich, die beiden stecken jede Minute ihrer Freizeit in die Renovierung der Gebäude auf dem Hof und die Betreuung der Tiere bzw. Pflege von Beeten, Wiesen und Bäumen.
Es gibt Lichtblicke, aber auch Schattenseiten und viel Trauriges vom Leben auf dem Hof. Vieles kann man sich als “Stadtmensch” gar nicht vorstellen. Plötzlich schätzt man Dinge, die selbstverständlich sind, wieder umso mehr. Öffentliche Wasserversorgung gibt es auf dem Hof zum Beispiel nicht.
Zwischen den Erlebnissen auf dem Hof und der harten, aufreibenden Arbeit gibt es auch Einblicke in zwei damit zusammenhängende Bereiche. Einerseits bekommt man auch ein bisschen mit, was so ein Alltag mit einer Beziehung anstellt; andererseits wirft die Autorin auch einen Blick auf die “Branche” an sich.
Da sie vor diesem kleinen Hof auf dem fast-Erbhof ihres Lebensgefährten gelebt und gearbeitet hat, kennt sie auch diesen Zugang zur Landwirtschaft. Druck, Automatisation, Profit - was alles zur konventionellen Landwirtschaft gehört. Sie versteht also beide Seiten - die “produzierende” und die “ökologische”. Ich dividiere das einmal so pauschal auseinander, auch wenn das eine nicht immer das andere ausschließen muss.
Wie auch Madeleine Becker im Buch bedaure ich, dass sich da die Fronten anscheinend so verhärtet haben und die einen als Tierquäler, die anderen als Öko-Fuzzis gesehen und verurteilt werden. Und so wird aus einem eigentlich harmlosen, gewissermaßen öffentlichen Tagebuch auch ein Denkanstoß für den Leser selbst. Was kann ich dazu beitragen, unsere Bauern, unsere Lebensmittelproduktion, zu unterstützen, aber den Druck auf die Umwelt, der durch das “zu viel” immer größer wird, nicht noch zu befeuern?
Erstmals veröffentlicht am 26.04.2026.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Ich freue mich über jede Meinung :)
Habt ihr das Buch schon gesehen oder gelesen? Gibt es Detailfragen zu meinem Text? Nur her damit! Und nicht vergessen: Bitte das Häkchen bei "Benachrichtigungen erhalten" setzen, da ich immer gerne antworte.
Wer das tut, bekommt von Google die Mails zu neuen Kommentaren an die im Google-Profil hinterlegte Adresse. Davon abmelden kann man sich über zwei Wege: das Häkchen hier entfernen oder den Link im Info-Mail nutzen.
Dieser Blog ist mit Blogspot, einem Googleprodukt, erstellt und wird von Google gehostet.
Es gelten die Datenschutzerklärung & Nutzungsbedingungen für Googleprodukte.