Montag, 24. Oktober 2016

Dreimal schwarzer Kater von Philippe Georget

Ein schöner Krimi aus meinem Büchervorrat.


Buchcover
Quelle: www.vorablesen.de
Gar nicht mal so viel französisch/spanisches Flair kommt bei diesem Krimi durch, was wohl auch daran liegt, dass in den mehr als 450 Seiten einfach anderes Vorrang hat. Die Ermittlungen stehen im Vordergrund, der Leser ist hautnah bei jeder Besprechung und jedem bereicherndem oder nicht bereicherndem Zwiegespräch im Büro dabei und lernt die Polizisten von beruflicher und privater Sicht kennen.
Auf sie kommt kein so leichter Fall zu, als es zunächst scheint. Und auch ein Mord zu Beginn des Buches bleibt lange unter dem Radar. Er wird dann eine Rolle spielen, wenn niemand mehr damit rechnet. Nicht berechenbar wirkt auch der Täter, den es schlussendlich zu überführen gilt und Georget zeigt in diesem Buch deutlich, dass die Arbeit der Kriminalpolizei viel öfter einem Puzzlespiel gleicht, das sehr verworren sein kann, als jenen Krimiserien die das Fernsehen oft zeigt.
Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel, das, weil über weite Strecken, gut aufgebaut, darüber hinwegtäuschen kann, dass eben nicht nach Action-Film-Manier ständig „etwas passiert“ und viel Blut fließt. Vielmehr geht es auch darum, ein Motiv zu finden, herauszufinden, wie der Täter tickt. Und davor noch: Wer der Täter überhaupt ist. Das herauszufinden gelingt dem Leser schneller als der Polizei, aber es bleibt ein nettes Lesevergnügen, zu verfolgen, wie es auch die Polizei schafft.

Auch wenn am Ende einiges in Bezug auf die Täterperson klarer wird, bleibt diese leider doch noch ein wenig zu blass. Man hätte diesem Charakter und seiner Entwicklung mehr Zeilen widmen können und dafür weniger Augenmerk auf die privaten Probleme der Hauptfigur verwenden. Inspecteur Gilles Sebag mag von Zeit zu Zeit ein genialer Ermittler sein, hat in den eigenen vier Wänden aber scheinbar wenig zu sagen und kann sich nicht entscheiden, ob er wissen will, was seine Frau so ohne ihn treibt. Das ist grundsätzlich verständlich, muss aber nicht jedes zweite Kapitel ausgebreitet werden. Ebenso wie seine genehmigten und angeordneten Erholungspausen zuhause, weil ihn der scheinbar unlösbare Fall so sehr mitnimmt.
Ein großer Kritikpunkt ist auch der gewählte Titel des Buches, der auch bis zum Ende hin nichts mit der Geschichte zu tun hat. Es mag schon vorkommen, dass sich ein Titel nicht vor der Lektüre erschließt, aber er sollte den Leser nicht danach noch ratlos zurücklassen. Zum Teil mag das an der Übersetzung liegen, die keine ist. Im Original heißt das Buch doch so viel wie „Im Sommer langweilen sich die Katzen“, was man besser zum Buch in Beziehung setzen kann. Die Handlung spielt im Hochsommer und das Katz-und-Maus-Spiel entwickelt sich und hat auch mit Langeweile zu tun (mehr wird nicht verraten). Für mich ist dagegen der deutsche Titel misslungen.

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