Samstag, 11. Juni 2016

Die Witwe von Fiona Barton

Dieses Buch habe ich auf www.lovelybooks.de für eine Leserunde gewonnen und hier schon vorgestellt.


Quelle: www.amazon.de
Gänzlich unblutig und ohne „James-Bond-Action“ erzählt die Autorin hier ein packendes Psychodrama rund um ein Ehepaar, ein verschwundenes Kleinkind, die ermittelnden Polizisten und die neugierigen Journalisten. Die wechselnden Schilderungen der beteiligten Personen erzeugen beim Leser eine starke innere psychische Spannung und sowohl die Einblicke rund um die Zeit des Verbrechens und jene ein paar Jahre später sind sehr authentisch und brauchen daher auch keine zusätzliche Spannungselemente.
Ebenso gibt es wenig hollywoodreife Wendungen, wie oft in Thrillern verwendet. Hier kann der Leser mitermitteln und kommt wohl auch selbst auf einen Teil der Lösung, doch das tut der Geschichte keinen Abbruch, sondern unterstützt eher die Intention der Autorin: den Fokus nicht auf die Story selbst, sondern die Menschen zu legen, die damit zu tun haben. Was denkt der Ermittler nach einer Befragung?
Wie geht es dem Beschuldigten in der Zelle, was sagt er am Besuchstag zu seiner Frau? Verbirgt auch diese etwas? Einzelschicksale bestimmen dieses Buch.
Auf den Part der Journalisten verwendet Fiona Barton viel Zeit, was auch nicht verwunderlich ist, schrieb sie doch selbst viele Jahre für Zeitungen.
Auch die wahre, mühsame Polizeiarbeit kommt nicht zu kurz. CSI ist nun einmal nicht die Realität, sondern schweigsame Befragte, unsichere Zeugen und vieles mehr machen die Ermittlungen und Gerichtsverhandlungen zwar spannend, aber auch manchmal wenig unterhaltsam. Thematisiert wird auch die Tatsache, dass sowohl Journalisten als auch Polizisten ihre Arbeit oftmals mit nach Hause nehmen, schwierige Fälle wie jener in diesem Krimi hängen allen Beteiligten über Jahre nach und alle sind unterschiedlich davon betroffen.
Fiona Barton lässt sie alle zu Wort kommen: Täter, Opfer, Beschuldigte, Geschädigte, Verrückte, Kranke, Außenstehende,… und gibt somit besonders dem Umfeld eines Verbrechens eine Stimme. Diese Perspektiven und dass sie sich nicht auf die Tat fokussiert, machen diesen Roman zu etwas Besonderem. Einzig am Ende hätte ich mir noch ein wenig mehr „Nachbetrachtung“ gewünscht.

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