Dienstag, 19. Januar 2016

Die Spur des Jägers von Matthias Ernst

Dieses E-Book habe ich auf www.lovelybooks.de für eine Leserunde gewonnen und hier schon kurz vorgestellt, daher gibt es jetzt nur die Rezension.

Buchcover
Quelle: lovelybooks.de
Gleich zu Beginn bekommt man direkt alle drei wesentlichen Handlungsstränge vorgestellt. Glücklicherweise sind über den Abschnitten (Das Tagebuch eines Mörders, die Kriminalpolizistin in  der Rehaklinik und die Ermittlungshandlung) immer Datum, Ort und Zeit vermerkt. Zwar kommt man zu Beginn leicht durcheinander, wenn man sich aber daran gewöhnt hat, behält man den Überblick.
Die Spannung ist immer greifbar, Beschreibungen sehr direkt, was wohl auch daran liegt, dass alle Handlungsteile in der Ich-Perspektive geschrieben sind. Bei einem Tagebuch ist das üblich, die anderen Teile der Geschichte werden von der Polizistin Inge rückblickend beziehungsweise aktuell erzählt. Sie erlitt bei dem behandelten Fall ein schweres Trauma und muss zur Heilung in der Klinik mit dem Stoff umgehen lernen.
Da man weiß, dass sie nach dem Fall in die Klinik kam, hat man das ganze Buch über ein gespaltenes Gefühl: Man ahnt, dass Schlimmes passieren wird, aber weiß auch, dass Inge, was auch immer noch kommt, überleben wird. Eine interessante Mischung.
Das niedergeschriebene kann auf mehrere Arten verstörend sein, dieser Kriminalroman ist näher an einem teilweise sehr blutigen, intensiven Thriller angesiedelt. Hier könnte die Stärke des Autors, eine Szene so beschreiben zu können, dass der Leser das Gefühl hat, dabeizusein, in eine Schwäche umschlagen. Zwar werden die Morde selbst nicht erzählt, aber die verstümmelten Leichen sind sehr plastisch dargestellt. Leser mit empfindlichem Magen oder zu starker Vorstellungskraft sollten bei diesen Stellen schnell drüberlesen.

Abgesehen davon, schafft der Autor es auch, einen Sog zu erzeugen, der den Leser sehr flüssig voranbringt und ihm trotzdem die Zeit gibt, selbst mitzurätseln, wer denn nun als Täter infrage kommt. Dass es derjenige mit dem Tagebuch sein muss, merkt man schnell, dennoch wird sein Name sehr lange nicht erwähnt. Auch die Opfer scheinen auf den ersten Blick nicht miteinander in Beziehung zu stehen, was viel Raum für Spekulationen eröffnet.
Die Charaktere, allen voran Inge und ihr Ermittlungsteam sind vielfältig, gut nachvollziehbar und werden immer wieder an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit getrieben. Nicht nur deswegen leidet man immer wieder mit ihnen mit. Greifbar werden auch die Menschen, die rundherum mit dem Fall in Verbindung stehen, charmante Szenen mit entwaffnendem Dialekt der Ortsansässigen regen zum Schmunzeln an. Auch der Klinikalltag und mit den Therapeuten und Mitpatienten ist greifbar und sehr realistisch erzählt. Hier liegen die inhaltlichen Stärken des Autors, der ja selbst Psychologischer Psychotherapeut ist.

Ein wenig gestört hat mich der Täter, dessen Biographie gar zu glatt, zu stereotyp erscheint: der jugendliche Einzelgänger, von Mitschülern gemobbt, schwört Rache, begeht den Mord und wird dann zum „Schläfer“, der bei einer Handlung, die für andere normal erscheint, wieder aktiv wird, weil sie in ihm eine alte Wunde aufreißt. Trotzdem bietet das Buch viel Spannung und ein paar überraschende Handlungen und Wendungen. Wer gerne Thriller liest, Blut sehen kann und wen nicht stört, dass Charaktere sind ab und an etwas irrational verhalten (Stichwort Ausnahmesituation), dem sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.

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