Freitag, 15. Januar 2016

Kalt wie Nordlicht von Bernhard Stäber

Dieses Buch habe ich für eine Leserunde auf www.leserunden.de gelesen und hier schon einmal vorgestellt.

Buchcover
Quelle: amazon.de
In einem alten Haus im rauen Norden Norwegens werden Polizistin Kari und Psychologe Arne, durch ein Sturmtief abgeschnitten von jeglicher Unterstützung, unfreiwillig zu Hauptermittlern in einem brutalen Mordfall. Sie sind nicht alleine: sieben weiter Personen sind mit ihnen eingesperrt, im Haus, das Akka, einer alten Sami-Frau gehörte, anlässlich deren Todes sie nun alle beisammen sitzen.
Vor der malerischen wie gefährlichen Winterkulisse Norwegens, die der selbst in Norwegen lebende deutsche Autor so treffend und eindringlich beschreibt, wachsen die Beteiligten an der Situation über sich hinaus und sollen nebenher noch ihre eigenen Probleme lösen.
Kari und Arne leiden noch deutlich an Nachwirkungen ihres traumatisierenden, ersten gemeinsamen Falles („Arne Eriksen ermittelt“).
Arne unter Panikattacken und Albträumen, Kari ertränkt die Erinnerung in Alkohol und entwickelt sich unter der Last der Verantwortung dieses Falles zur leicht aufbrausenden, impulsiven 24-Stunden-Polizistin. Der Prolog entführt den Leser in das Jahr 1993 und auch hier wird jemand nicht mehr lange zu leben haben. Doch erst im Lauf der aktuellen Geschichte offenbar sich, welch düsteren Zusammenhang die Ereignisse von damals mit heute haben und welche Gefahr davon ausgeht. Die durchaus packende, reale Handlung wird vorsichtig mit mystischen Elementen versetzt, die einfach zum Schauplatz passen. Nordnorwegen im eisigen Winter, wo die Sami ihre Heimat haben, von der sie großteils vertrieben wurden und wo es fast so viele Glaubensarten und -praktiken gibt, wie es (Baum-)Stämme gibt. Rational ist vieles nicht erklärbar, aber lässt man sich ganz auf die Beschreibungen ein, kann man schon eher verstehen, was die Menschen hoch oben am Polarkreis, unter dem Nordlicht, das das Firmament, zu ihren Anschauungen gebracht hat.
Dieser mystischen Aura, die das Buch an manchen Stellen ausstrahlt, stehen dann auch wieder sehr banale, zutiefst menschlich berührende Szenen gegenüber. Als alle noch gesund und munter sind und die Trauergemeinschaft in Akkas Zelt am Feuer sitzt und Erinnerungen an die alte Frau untereinander teilt, sitzt man als Leser mittendrin und kann sich nicht vorstellen, dass diese Idylle so jäh unterbrochen wird.
Geht denn trotzdem alles gut aus? Ja und Nein. Nur eines ist sicher, der letzte Wunsch der Sami-Frau wird erfüllt und ihre Asche schwimmt wohl noch heute mit den Meereswellen der Polarregion.

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